Dienstag, 24. November 2015

Der Unterschied......

...zwischen selbstbewußt und selbstverliebt ?
Diese Frage wurde während einer Unterhaltung gestellt und mir war sofort klar. es besteht ein riesengroßer Unterschied - aber er ist nicht so leicht zu erklären.
Zum Selbstbewußtsein habe ich im Buch "Mein Leben" von Sophia Loren eine schöne, mich berührende Passage gefunden:
Sophia Loren war Ende vierzig und stand im Louvre und betrachtete das Gemälde der Mona Lisa:

"....an diesem Morgen erschien mir die Mona Lisa gar nicht so schön.Sie hatte etwas männliche Züge und ein paar Kilo zuviel - ein Casting hätte sie bestimmt nicht bestanden.
Dennoch begriff ich in diesem Moment, warum sie die Menschheit in ihren Bann zog.Die Mona Lisa sah mich an, als würde sie jeden Augenblick ein Geheimnis lüften, das mein Leben verändern sollte.Ich mußte ihr nur zuhören, und mit einem Mal wurde mir alles klar.
Während wir uns musterten........verstand ich, dass ihre Faszination von einer inneren Ruhe ausging, von einer tiefen Selbsterkenntnis.Und, wie George Cukor zu sagen pflegte, keine Schönheit kann es mit dem Wissen um sich selbst aufnehmen: Man muss erkennen und akzeptieren, wer man wirklich ist......"

Es ist manchmal gar nicht so leicht, sich selbst kennenzulernen und noch weniger leicht, sich selbst so zu akzeptieren, wie man eben ist. Das soll nicht heißen, dass man nicht an sich arbeiten soll - diese Arbeit sollte man eigentlich nie beenden. Aber sich über seine starken und schönen Seiten, aber auch über die schwachen und unangenehmen Anteile bewußt zu werden und irgendwann zu sagen: "Ja, so bin ich."

Die Selbstverliebtheit beginnt dann, wenn man die eigenen schwachen Seiten total ausblendet und unangenehme Eigenschaften immer nur an anderen bemerkt.
Wenn man bei jedem Thema sofort über sich selbst zu sprechen und in höchsten Tönen zu loben beginnt, wenn man Kritik an anderen schnell und leichtfertig anbringt, aber selbst bei der geringsten Kritik einschnappt.
Wenn man andere Meinungen nicht einmal anhören will, aber von den eigenen fast berauscht ist.

Fazit: Selbstbewußtsein ist Selbsterkenntnis, mit sich im Reinen zu sein, auch mit Schwächen fertig zu werden und sich trotzdem zu mögen.
Selbstverliebtheit ist rechthaberisch seine schwachen und unangenehmen Seiten vor sich selbst und allen anderen zu verleugnen.


Übrigens: Sophia Lorens Buch ist 2014 im Piper Verlag erschienen und uneingeschränkt zu empfehlen!




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